Die Consilium Gruppe und Terra One, Technologieunternehmen für Batteriespeicher sowie KI-gestützten Energiehandel, haben eine Kooperation geschlossen. Ziel ist es, über diese exklusive  Partnerschaft in den kommenden drei Jahren eine Projektpipeline von über 200 MWp Photovoltaik und rund 150 MW Speicherleistung zu realisieren, wie Daniel Ramsperger, Mitglied der  Geschäftsleitung / Finanzen & Investments, der Consilium Gruppe AG, im Gespräch mit GREEN BONDS erläutert.

GREEN BONDS: Sie haben kürzlich eine Kooperation mit Terra One geschlossen. Was ist der Hintergrund?

Ramsperger: Angesichts der sich wandelnden Anforderungen im Energiemarkt ist die Kooperation mit Terra One für uns ein konsequenter und strategisch bedeutender Schritt. Klassische Photovoltaik-Projekte stoßen zunehmend an Grenzen, wenn es um die Optimierung von Erlösen und die Integration in ein volatiles Stromsystem geht. Deshalb setzen wir verstärkt auf kombinierte Lösungen aus Erzeugung und Speicherung. Terra One ergänzt uns dabei ideal: Während wir unsere Stärke in der Entwicklung und Strukturierung von PV-Projekten einbringen, stellt Terra One seine Trading-Expertise und Erfahrung in der technischen Konfiguration von Speicherprojekten bereit. Ziel ist es, nicht nur zukunftsfähige Co-Location-Projekte zu realisieren, sondern vor allem auch den erzeugten Strom und die Speicherflexibilität intelligent zu vermarkten. Denn Speicher ermöglichen es, Strom zeitlich optimiert zu verkaufen und so zusätzliche Erlöse zu generieren. Gleichzeitig ergeben sich Vorteile bei Netzanschluss und Systemintegration. Wir planen, über diese exklusive Partnerschaft in den kommenden drei Jahren eine Projektpipeline von über 200 MWp Photovoltaik und rund 150 MW Speicherleistung zu realisieren.

GREEN BONDS: Wie entwickeln sich Ihre aktuellen Projekte?

Ramsperger: Unsere Projekte entwickeln sich dynamisch und planmäßig. Wir konnten unsere Pipeline zuletzt deutlich ausbauen und verfügen über ein breit diversifiziertes Portfolio in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Ein klarer Schwerpunkt liegt wie erwähnt auf der Integration von Batteriespeichern bereits in der frühen Projektphase. Das erhöht zum einen die Wirtschaftlichkeit unserer Projekte, zum anderen die Resilienz gegenüber regulatorischen und marktbasierten Impulsen. Parallel treiben wir Genehmigungen voran und bereiten erste Projekte auf den Übergang in die Bauphase vor.

Zusätzlich verfolgen wir innovative Ansätze wie Agri-PV, um Flächen effizienter zu nutzen. Diese Diversifikation stärkt unsere Marktposition und reduziert Risiken. Insgesamt sehen wir eine robuste Entwicklung – getragen von einer stetig wachsenden Pipeline, technologischer Weiterentwicklung und klar strukturierten Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

GREEN BONDS: Wann werden die Projekte verkauft und wie ist die Nachfrage?

Ramsperger: Wir verfolgen einen flexiblen Verkaufsansatz und veräußern Projekte je nach Marktumfeld entweder in der Bauphase oder nach Inbetriebnahme. In der Bauphase sind wesentliche Risiken bereits reduziert, während ein späterer Verkauf zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen kann.

Die Nachfrage nach unseren Projekten ist hoch. Insbesondere institutionelle Investoren und vermögende Privatkunden suchen nachhaltige Infrastrukturinvestments mit stabilen Cashflows.  Photovoltaik in Kombination mit Speicherlösungen trifft dabei genau den aktuellen Bedarf. Ein wesentlicher Treiber ist die zunehmende Strompreisvolatilität. Projekte mit flexibler Vermarktung gewinnen dadurch an Attraktivität. Unsere Ausrichtung auf integrierte Systeme verschafft uns hier klare Vorteile.

GREEN BONDS: Sind PPAs für Sie ein Thema?

Ramsperger: PPAs sind für uns ein relevantes Instrument, aber nicht der einzige Vermarktungsweg. Sie bieten Planungssicherheit, begrenzen jedoch oft die Teilnahme an positiven  Marktbewegungen. Deshalb betrachten wir ihren Einsatz stets projektindividuell. Mit der Integration von Batteriespeichern verändern sich die Rolle und die Art von PPAs. Speicher ermöglichen
eine flexible Vermarktung und eröffnen zusätzliche Erlöspotenziale, etwa im kurzfristigen Handel. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, PPAs nur teilweise oder gar nicht einzusetzen.

Wir sehen zunehmend hybride Modelle, bei denen ein Teil der Stromproduktion abgesichert wird, während ein anderer aktiv vermarktet wird. Diese Kombination verbindet Planbarkeit und somit Finanzierbarkeit mit zusätzlichem Renditepotenzial. Unser Ansatz ist technologieoffen und marktorientiert. Wir wählen für jedes Projekt die wirtschaftlich sinnvollste Speicherauslegung und Vermarktungsstrategie und sehen flexible Modelle künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

GREEN BONDS: Die öffentliche Angebotsfrist für Ihre Anleihe endete am 29.04. Wie lief die Platzierung?

Ramsperger: Die Platzierung unseres 7,00% Consilium Solar Bonds 2025/2030 verlief sehr erfolgreich. Mit insgesamt 8,2 Mio. Euro konnten wir ein starkes Ergebnis erzielen und unser  Finanzierungsziel in einem anspruchsvollen Marktumfeld erreichen. Dies unterstreicht das Vertrauen der Investoren in unser Geschäftsmodell und unsere Wachstumsstrategie. Besonders erfreulich war die hohe Nachfrage über alle Bereiche hinweg, d. h. von privaten, semiprofessionellen und professionellen Investoren. Nachhaltige Investments mit attraktivem Rendite-Risiko-Profil stehen weiterhin im Fokus vieler Anleger – und hier konnten wir nachhaltig überzeugen.

Die Mittel fließen wie geplant gezielt in die Realisierung unserer Projektpipeline. Gleichzeitig konnten wir unsere finanzielle Flexibilität erhöhen, um neue Chancen im Markt zu nutzen. Auch aus Kapitalmarktsicht war die Emission ein wichtiger Schritt. Wir konnten durch unsere Debüt-Anleihe unsere Visibilität spürbar erhöhen und uns einen wertvollen Vertrauensvorschuss erarbeiten.
Das gute Platzierungsergebnis sehen wir als Verpflichtung gegenüber unseren Anleihegläubigern, weiterhin mit höchster Sorgfalt zu agieren. Dieser Meilenstein stärkt unser Fundament für die kommenden Jahre und ermöglicht es uns, unsere Marktposition weiter zu festigen.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.